INTES MICRO ALTER M703

Was mich an dem 7zölligen Maksutow interessierte, war die konzeptionelle Ähnlichkeit zum Zeiss Meniskas 180/1800, das jedoch kaum mehr auf dem Markt zu finden ist. Die Firma IntesMicro ist ein SpinOff der Fa. Intes und bietet das M703 als Rutten-Maksutov an, d.h. der Sekundärspiegel ist nicht auf der Meniskuslinse aufgedampft, sondern befindet sich - mit eigenem Krümmungsradius - in einer separaten Zelle. Hierdurch erreicht man eine gute Bildfeldebnung und Spotdurchmesser von 10-12mu. So versichert zumindest der Hersteller.

Hier die wichtigsten Daten:

Als Zubehör mit dabei waren ein 7x50 Sucher, ein Haltegriff und ein Fotoadapter. Nicht zu vergessen eine gefütterte Nylontasche zur AUfbewahrung und zum sicheren Transport. Das M703 wird auch als Deluxe Modell angeboten. Hier wird eine 96% Reflexion des Hauptspiegels angegeben und an der Hauptspiegelzelle befindet sich ein 12V Lüfter, der die Auskühlung des Tubus beschleunigen soll.

Das Bild zeigt das M703 auf der NewAtlux montiert. Am Okularende wurde ein Intes 2" Adapter befestigt, der hier einen 2" Zenitspiegel aufnimmt. Zum besseren Grössenvergleich: Das eingesteckte Okular ist ein Nagler T2 16mm. Auf dem Bild fehlt die ebenfalls als Zubehör mitgelieferte, etwas klobig wirkendende Taukappe (meine Frau bezeichnete diese Taukappe zutreffend als "Eimer"). Diese ist aus Metall und besitzt mehrere Innenblenden. Befestigt wird diese 1kg (!) schwere Kappe mit drei zu kurz geratenen Nylonschrauben (den einzigen Plastikteilen der Lieferung) am vorderen Blendring. Diese Schrauben habe ich ausgetauscht, so dass die Fixierung nunmehr gelingt. Hier wäre eine besser passende und leichtbauendere Lösung zu bervorzugen.

Da es sich um ein russisches Teleskop handelte, war ich bzgl. der Verarbeitung etc. gespannt, da man in diversen Postings ja schon abenteuerliche Dinge lesen durfte. Meine Sorge war allerdings nicht begründet. Am ganzen Teleskop findet sich kein Plastikteil. Der Tragegriff, die Sucherhalterung, ebenso der Sucher und der Fotoadapter sind solide aus Metall gefertigt und gut verarbeitet. Das einzige Zugeständnis, das man machen muss, ist dass die "Optik des M703" - ich meine hier das Äußerliche - nicht im Mittelpunkt stand. Einige Schrauben hätte man besser versenken können oder aber weniger gross dimensionieren sollen. Dieser "russische Charme" hat aber auch seine Vorteile - wie sich noch zeigen sollte.

Was auffällt ist, der massive Metalltubus, der mit satten 7kg Gewicht einem SC8" oder einem VC200L ebenbürtig ist, obwohl die Optik knapp ein Zoll weniger Öffnung aufweist. Blickt man in den Tubus, so erkennt man die typischen Blendenringe, die das Streulicht auf wirksame Art reduzieren helfen, und die dem Tubus seine Steifigkeit verleihen. Ebenfalls erkennt man das Streulichtrohr im Tubus, das das M703 auch für Tagbeobachutungen einsetztbar macht.

Die äußere Schutzblende besitzt Löcher, die allerdings wohl nicht zur Gewichtsreduktion dienen, sondern beim Deluxe Modell den Zustrom der Tubusbelüftung ermöglichen.

Die Sekundärspiegelzelle ist hier mit einer Abdeckblende versehen. Nimmt man diese ab, kommen 3 Justierschrauben und eine zentrale Befestigungsschraube zum Vorschein. Ein Test an einem künstlichen Stern zeigte jedoch, dass die Optik den Transport sehr gut überstanden hatte. Die Justage war sehr gut und es war keine Korrektur notwendig. Nachdem ich das M703 nunmehr schon einige Male transportiert habe kann ich bestätigen, dass bei "üblichen" Erschütterungen das M703 sich als sehr justierstabil erwiesen hat. Im Vergleich dazu musste ich mein C11, wenn auch nur wenig, so doch aber nach den Tranporten nachjustieren. Der solide Aufbau macht sich hier also bezahlt.

Der 7x50 Sucher macht einen guten Eindruck. Im Vergleich zu den Vixen oder Celestron Suchern ist dieser schwerer aufgebaut und bzgl. Fadenkreuz-Justage (genaugenommen handelt es sich um eine Strichplatte) und gut laufender Helikal-Fokussierung geradezu luxuriös ausgestattet. Die Schrauben zur Sucherausrichtung sind etwas lang geraten, was aber dem Handling entgegenkommt. Sehr praktisch ist der Umstand, dass das M703 sich problemlos mit Sucher in der Transporttasche einpasst, was den Aufbau des M703 im Handumdrehen ermöglicht.

Der M703 Tubus mit der fast durchgehenden GP-Prismenschiene ermöglicht die einfache und schnelle Ausbalancierungin der Deklinationsachse je nach benutztem Equipment.

Das SC Anschlussgewinde ermöglicht die Adaption des üblichen 2" Zubehörs. Hier erkennt man den Intes 2" Auszug. Der Drehknopf der Hauptspiegelfokussierung ist leicht drehbar und erlaubt die (nahezu) shiftingfreie Fokussierung.

First Light - die Optik

Ich hatte Glück, da am Tage der Lieferung des M703 sich eine klare Nacht anschloss und ich nicht lange auf einen ersten Test unter realen Bedingungen warten musste. Das M703 hatte mehrere Stunden Zeit zur Temperierung. Ob nun ein Lüfter hierbei sinnvoll gewesen wäre, kann ich nicht sagen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen hatte ich immer deutlich grössere Probleme mit dem Seeing vor dem Tubus und nicht mit den Turbulenzen im Tubus. Da der 7zöller aber noch in den Grössenordnung rangiert, die Turbulenzzellen in Tuben haben, denke ich, das das M703 nicht so thermisch empfindlich sein sollte.

Zu allererst wurde ein Referenzstern für die Montierung eingestellt. Diesen Stern dient dann auch zur Prüfung der Justage und zur ersten Fokussierung. Es wurde Deneb gewählt, der bereits recht zenitnah stand, so dass der Einfluss der Berliner Nachbarn weitestgehend reduziert wurde. Es zeigte sich eine perfekte Beugungsfigur. In den ruhigen Momenten ohne störendes Seeing, sah man runde Kreise, ohne die geringsten Ausfranzungen. Verglichen mit dem VC200L, das eine gute Optik besitzt, fiel mir auf, dass die Beugungsfigur des M 703 klarer und besser definiert war. Die Helligkeit der Kreise war über 360° vollkommen gleichmäßig und geradezu lehrbuchhaft. Bei der Annäherung an die Fokusslage blieb der helle Punkt im Zentrum der Beugungsfigur weiter zentriert. Kaum zu glauben, das M703 hatte den Transport ohne Probleme überstanden. Der Händler hatte es vor dem Versand nochmals geprüft und bereits auf die Justierstabilität hingewiesen. Aber man ist dann doch überrascht, wenn man die perfekte Justage "out-of-the-box" erlebt.

Ich prüfte das Spiegelshifting durch ein Wechsel der Drehrichtung der Fokussierung und stellt keine Veränderung der Lage des Referenzsterns fest. Zuerst dachte ich, dass der Drehknopf lose sei, doch zum einen stellte sich bei genauem Hinsehen heraus, dass ein sehr geringes Shifting (bei 1800mm nur einige ") zu sehen war und zum anderen der Drehknopf sehr leichtgängig war.

Leider verschlechterten sich die Beobachtungsbedingungen, dennoch wurde ein erster CCD Versuch mit dem M703 gestartet. Als Objekt diente die Galaxie NGC7331. Die nachfolgenden Aufnahme zeigt, dass sich die f/10 durchaus für diese Aufgaben eignet.

Als alternatives Setup habe ich am M703 auch einen motorisierten Auszug und einen EasyGuider montiert. Dabei benutze ich einen Robofokus Schrittmotor an einem modifizierten Crayfordauszug. Über einen 2" Steckanschluss ist hieran ein Lumicon EasyGuider montiert. Zur Nachführung wird hier eine MX716-Kamera benutzt, für die Aufnahmen wird eine SXV-H9 CCD Kamera eingesetzt, vor der eine Filterschublade Ir/R/G/B Filter aufnimmt. Die Vignettierung beträgt im SXV Format weniger als 3%, so dass mittels eines Flatfields die Ausleuchtung gut korrigiert werden kann.

Abschließendes ...

Nach nunmehr einem Monat und einigen Nächten, die ich mit dem M703 fotographierte, muss ich sagen, dass das M703 meine Erwartungen übertroffen hat. Über meine anfänglichen Bedenken ein Gerät zu erwerben, dass "nur" 7" Öffnung hat, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich bin mir sicher, dass das M703 die Abbildungsleistung der weit verbreiteten 8" SCs erreicht. Das geringe Streulicht bringt zudem einen deutlichen Kontrastgewinn und empfiehlt es für die Astrofotographie. Und: Das M703 ist ein hervorragendes Instrument zur visuellen Beobachtung. Die Beobachtung des Mondes ist mit dem M703 ein Genuß! - man versteht das in amerikanische Foren oft zitierte "apo-like performance" - aber das lässt sich kaum beschreiben, das muss man gesehen haben.

M.König Berlin, 10/2003