VIXEN VC 200L COLLIMATION

Die Kollimation des VC200L ist komplexer als die eines SC Systems, da 3 Einstellungen unabhängig voneinander möglich sind. Das Zusammenwirken dieser drei Komponenten erfordert etwas Fingerspitzengefühl und lässt sich am besten anhand eines "Kochrezeptes" optimieren:
  1. Die Einstellungen der Okularauszuges mittels der inneren drei Druck/Zug-Schraubenpaare an der Hauptspiegelzelle.
  2. Die Zentrierung des Sekundärspiegels.
  3. Die Positionierung des Hauptspiegels mittels der äußeren drei Druck/Zug-Schraubenpaare an der Hauptspiegelzelle.

Die Einstellung des Okularauszuges ist einfach zu erledigen: Man entfernt hierzu den Sekundärspiegel und visiert durch den okularlosen Okularauszug. Die Aufgabe besteht nun darin, die Sekundärspiegelhalterung bestmöglich zentriert zu sehen. Es ist hilfreich, den Oklarauszug maximal auszuziehen und diesen soweit wie möglich (Zwischenhülsen etc.) zu verlängern. Die nachfolgenden Punkte 2 und 3 werden alsdann immer wieder durchlaufen, bis ein konzentrisches Bild zu sehen ist.

Die beschriebene Justierung ist eine vorbereitende Justierung, die am Stern optimiert wird. Dieser abschliessende Schritt erfolgt durch leichte Verstellungen der äußeren Spiegelzellen-Schrauben. Ist die Justierung gelungen, bedarf es in der Regel nur noch kleiner Korrekturen (max 1/4 Drehung). Wichtig ist auch, dass der Sekundärspiegel eine Mittenmarkierung bekommt. Nach der Spiegelreinigung war der blaue Punkt, der werksseitig diese Aufgabe erfüllte, natürlich nicht mehr vorhanden. Ich habe diese Mittenmarkierung mit einem weichen roten Filzstift und einem Drehteller als Hilfsmittel wieder aufgemalt. In der nachfolgenden Zeichnung ist diese Markierung als roter Punkt dargestellt.

Nun aber wieder zur Justierung zurück. Das Sekundärspiegelkreuz ist mittig ausgerichtet und der Sekundärspiegel ist wieder angebaut. Man fixiert dessen 3 Halteschrauben und wird beim Blick durch den Okularauszug ein Bild, wie unten gezeigt, sehen. Es ist kein Darstellungsfehler, wenn dieser rote Punkt nicht im Zentrum des Sekundärspiegels zu sehen ist. Blickt man durch den Okularauszug (noch einmal: ohne Okular!), also nur mit dem blossen Auge visierend, so erkennt den folgenden Bildaufbau.

Die Aufgabe besteht nun darin, den Sekundärspiegel mit der MIttenmarkierung konzentrisch anzuordnen. Hierzu benutzt verstellt man die Halteschrauben des Sekundärspiegel. Ich verwende dazu einen Imbusschraubendeher. Dieser ist besser in der Handhabung als ein einfacher Imbusschlüssel. Am Rand des Sekundärspiegelkörpers sieht man eine mitunter nicht konzentrischen Offset. Dieser stört nun nicht und wird später - in Schritt 3. - korrigiert werden. Die Justage in Schritt 2 konzentriert sich auf die Mittenmarkierung und die Ausrichtung der Spiegelhalterung.

Eine genau Beschreibung wie mit den 3 Schrauben zu verfahren ist, erspare ich mir. Ich denke, dass man sich ein eigenes Feeling entwicklen sollte. Wichtig ist nur, sich ander Hauptrichtung des Versatzes zu orientieren. Im Beispiel also etwa die Diagonale von links oben nach rechts unten. Beim Verstellen der Schrauben ist darauf zu achten, nicht nur eine Schraube einzudrehen, sondern gegenüberliegende Schrauben zu lösen - die Fixierung des Sekundärspiegels darf dabei nicht lose werden. Hier muss in kleinen Schritten Lösen-Fixieren-Lösen-Fixieren ... gearbeitet werden.

Ist das Auge mit den Kreis-Symmetrie zufrieden, wird nun Punkt 3 angegangen. Die äußeren Hauptspiegelzellenschrauben dienen nun dazu etwaige Ränder am Sekundärspiegel ebenfalls auszurichten. Bewegt man das Auge etwas hin und her - entlang der festgestellten Hauptrichtung, so erkennt man, wie stark der sichtbare Offset einzuschätzen ist. Korrigiert man zu stark, so taucht der Offset diametral wieder auf und man stellt dann wieder etwas zurück. Auch hier ist darauf zu achten, nicht nur mit einem Schraubenpaar zuarbeiten, da der Laufweg recht beschränkt ist. Ist ein Anschlag erreicht, müssen alle drei Schraubenpaare zurückgedreht werden.

Ist der Offset beseitigt, wird man feststellen, dass die Mittenmarkierung ggf. nicht mehr konzentrisch ist. D.h. Schritt 2 muss nun nochmals durchgeführt werden. Nachdem der Sekundärspiegel wieder justiert wurde, die Markierung mittig sitzt, wird Schritt 3 vollzogen, um den Offset zu beseitigen. Diese zwei Schritte führt man nun so lange durch, bis man mit der Symmetrie zufrieden ist. Als Gesamtaufwand würde ich bei entspanntem Arbeiten etwa 15-30 Minten einschätzen.

Noch ein letzter Tipp: Das VC200L sollte auf eine helle Wand / Himmel zeigen, um einen deutlichen Kontrast zum Okularauszug abzugeben.

Das vorjustierte und gut ausgekühlte (!) VC200L wird dann am Stern feinjustiert. Dieser abschliessende Schritt hat zum Ziel, das Beugungsbild (s.unten) der kreissymmetrischen Idealposition bestmöglich anzunähern. Die zwei extrafokalen Aufnahmen entstand innerhalb von 2 Minuten und sollen illustrieren, dass das Seeing die Beugungsfigur mitunter verschmiert und auch verformt - die rechte Delle, die auf der linken Aufnahme zu sehen ist, ist auf der rechten Aufnahme nicht mehr zu erkennen.

Diese Feinjustage erfolgt wie in Schritt 3 beschrieben, d.h. mit den äußeren Hauptspiegelschrauben. Die obigen Bilder zeigen extra- und introfokale Beugungsbilder. Wichtig ist hier die schrittweise Annäherung an den Fokus. Man startet stark defokussiert und nimmt dann erste Korrekturen vor, um die Ringe und den hellen Zentrumspunkt zu zentrieren. Näher am Fokus wird das Beugungsbild kleiner und die Korrekturschritte feiner.

Es ist zu empfehlen, bei visueller Vorgehensweise, kein Zenitprisma o.ä. zu verwenden, sondern geradsichtig mit hoher Vergrößerung (300x-400x) zu arbeiten. Recht angenehm ist die Feinjustage mit Hilfe einer CCD Kamera. Es ist zu beachten, das ein Justageschritt natürlich das Bild in den Bildebene verschiebt und der Stern wieder zentriert werden muss. Auch hier sind kleine Schrittweiten hilfreich.

Das VC200L erweist sich als justierstabil, d.h. eine Justierung muss auch an Sommertagen nur geringfügig nachkorrigiert werden. Die Fokussierng des kollimierten VC200L sollte dan kreisrunde Sterne liefern. Bei sehr hellen Sternen sieht man mitunter ein Ausfransen der Sternabbildung. Auch erkennt man hellen Sternen die sich aufgrund der Beugung an den Sekundärspiegelstreben ergebenden "Spikes". Diese eignen sich sehr gut zum Auffinden der Fokuslage - ausserhalb des Fokus erscheinen die Spikes doppelt.

Fokussierter Stern (H-Alpha Filter)